Wasserversorgung

 

Wasser ist Leben

 

Die Begriffe „Leben“ und „Wasser“ sind untrennbar miteinander verbunden – liegt doch im Wasser der Ursprung allen Lebens! Der Besitz von Wasser unterscheidet den „blauen Planeten“ von allen anderen Gestirnen des Sonnensystems. Kein Lebensbereich ist denkbar, in dem auf Wasser verzichtet werden könnte. Ob Mensch, Tier oder Pflanzen – das Wasser sichert ihre Existenz. Ist aber Wasser ein unerschöpflich vorhandener Stoff? Etwas Selbstverständliches, Alltägliches? Dies versinnbildlicht, welche Bedeutung dem Wasser in der Vergangenheit und auch in besonderem Maße in Zukunft zukommt.

 

Wasser selbst ist auf unserem Planeten keine Mangelware. Die Erde ist zu zwei Drittel mit Wasser bedeckt. Bemerkenswert ist, dass von der Wassermenge kein einziger Tropfen verloren geht. Wasser ist nicht zu vergleichen mit Öl oder Kohle. Diese Rohstoffe werden irgendwann einmal zur Neige gehen. Wasser nicht. Wasser verbrauchen wir nicht, sondern gebrauchen wir nur. Das flüssige Element unterliegt einem ständigen Kreislauf, in dem nichts verloren geht.

 

Nicht die Menge an Wasser insgesamt bereitet Probleme, sondern die Knappheit an trinkbarem Wasser. Mehr als 97 % des gesamten Wasservorrates der Erde bildet das Salzwasser in den Ozeanen und Meeren, für den Menschen ungenießbar. Nur 0,6 % der gesamten Wassermenge ist als Süßwasser in Flüssen und Seen sowie als Grundwasser für den Menschen nutzbar.

 

Das bedeutet für jeden, verantwortungsbewusst mit dem kostbaren Nass umzugehen: Denn Wasser ist Leben.

 

Zu allen Zeiten waren Flüsse und Seen die Drehscheibe des Lebens. So entstanden auch die ersten Hochkulturen an den Flussläufen von Euphrat, Tigris, Nil und Indus. Die Römer eroberten Germanien am Wasser entlang, weil sie um dessen Bedeutung wussten. Dieses Volk hat die Wasserversorgung in der Antike zur Perfektion gebracht. Vor 2000 Jahren, als in Rom über eine Million Menschen lebten, gab es dort bereits eine effiziente, zentrale Wasserversorgung und -entsorgung. Mit dem Zusammenbruch des römischen Reiches gingen diese Kenntnisse verloren. Im Mittelalter und in der Neuzeit bis ins 19. Jahrhundert hinein war in den Städten und Dörfern sauberes Wasser eher die Ausnahme als die Regel. Auch weil es an sauberem Wasser mangelte, beherrschten jahrhundertelang Seuchen und Epidemien die Bevölkerung der Erde. Erst seit Ende des 19. bzw. Anfang des 20. Jahrhunderts, mit dem Aufbau der öffentlichen Wasserversorgung, gehören Krankheiten wie Cholera und Typhus, die durch verunreinigtes Wasser verbreitet wurden, in Europa der Vergangenheit an. Möglich war dies nur mit hygienisch einwandfreiem Wasser - eben Trinkwasser!

 

In Deutschland darf nur solches Wasser als Trinkwasser aus den Leitungen fließen, das strengsten Anforderungen genügt. Die Untersuchungs- und Messtechnik ist in den letzten Jahren so verfeinert worden, dass Wasserinhaltsstoffe auch noch im Milliardstel Gramm-Bereich (Nano-Gramm) festgestellt werden können. Die sehr strengen Grenz- und Richtwerte für Wasserinhaltsstoffe sind in der Trinkwasserverordnung festgelegt und bindend für alle Wasserwerke. Nur Wasser, das diese Forderungen erfüllt, darf sich Trinkwasser nennen. Die deutsche Trinkwasserversorgung hat im internationalen Vergleich einen Spitzenstandard.

Trinkwasser ist das wichtigste Lebensmittel. Es dient der Gesundheit und dem Wohlbefinden des Menschen - und das sein Leben lang.

 

Der Bürger empfindet es heute als selbstverständlich, dass hygienisch einwandfreies Trinkwasser, in hervorragender Qualität, zu jeder Tages- und Nachtzeit, in beliebiger Menge, aus seinem Zapfhahn fließt. Wassergebrauch gehört zur Lebensqualität für den Menschen und zu den Voraussetzungen für Arbeitsplätze und Wirtschaftswachstum. Der Verbraucher, der das Trinkwasser von seinem Wasserversorgungsunternehmen zum Trinken, Kochen oder für seine Körperpflege bezieht, kann stets sicher sein, ein hochwertiges Produkt für einen günstigen Preis zu erhalten.


Unterschiedliche Ausgangssituationen nach der Aufgabenübertragung

 

Die Ausgangssituation nach der Aufgabenübertragung an die Verbandsgemeinde war naturgemäß bei allen Ortsgemeinden verschieden. Es war nicht nur die Unterschiedlichkeit des technischen Zustandes in den Bereichen der Gewinnung, Aufbereitung, Speicherung oder der Verteilung über die Versorgungsnetze, die zusammengeführt und einheitlich gestaltet werden musste. Auch die Art, in der Wasser an die Einwohner abgegeben, auf welcher Grundlage die Abrechnung erfolgte, ob sich die bisherige Wasserversorgung finanziell selbst trug oder durch den Haushalt der Gemeinde gestützt werden musste, galt es in der Gemeinschaft zu regeln. Pflicht der neuen Betriebe war es, Einnahmen und Ausgaben im Gleichgewicht zu halten, jedoch ohne Gewinnerzielung zu wirtschaften.

So unterschiedlich der Bau- und Unterhaltungszustand der Versorgung war, so ungleich war zugleich die Art der Finanzierung, der Verschuldung und der Entgelte. Eine Vereinheitlichung des Satzungsrechtes war zunächst Hauptaufgabe der politischen Gremien.


Das neue Wasserwerk


Der Verbandsgemeinderat hat aufgrund der damals gültigen Gemeindeordnung und Eigenbetriebsverordnung sowie der Aufgaben-Übergangs-Verordnung in seiner Sitzung am 04. November 1975 durch Beschluss aus dem kommunalen Regiebetrieb mit Wirkung vom 01.01.1976 einen kaufmännisch geführten Eigenbetrieb gebildet. Die Betriebssatzung wurde am 02. Dezember 1975 beschlossen und trat zum 01.01.1976 in Kraft.

Das Wasserwerk der Verbandsgemeinde ist aus den gemeindlichen Wasserwerken Selters, Maxsain, Hartenfels, Freilingen, Weidenhahn, Wölferlingen, Vielbach, Nordhofen, Rückeroth, Quirnbach, Goddert, Ellenhausen, Steinen, Krümmel und Ewighausen gebildet worden.

Mit Wirkung vom 01.01.1976 wurde darüber hinaus die Betriebsführung für den bereits seit 10.12.1962 bestehenden Wasserzweckverband Herschbach durch Vertrag von dem Wasserwerk der Verbandsgemeinde Selters übernommen. Die Betriebsführung umfasst im Wesentlichen die technische und kaufmännische Verwaltung. Mitglieder des Wasserzweckverbandes waren die Gemeinden Herschbach, Freirachdorf, Deesen (VG Ransbach-Baumbach), Marienhausen (VG Dierdorf), Marienrachdorf, Maroth, Schenkelberg und Sessenhausen.

Die Eröffnungsbilanz des neuen Wasserwerkes wies zum 01.01.1976 in Aktiva und Passiva 3,47 Millionen € aus. Zum gleichen Zeitpunkt schloss die Bilanz des damaligen Wasserzweckverbandes Herschbach mit einer Bilanzsumme von 1,94 Millionen €.


Verbesserung der Qualität und Quantität der Wasserversorgung – eine ständige Aufgabe


Um den permanent gestiegenen Anforderungen an Menge und Güte des Trinkwassers gerecht zu werden, mussten von den Verbandsgemeindewerken nach dem Aufgabenübergang erhebliche Finanzmittel in die Wasserversorgungsanlagen investiert werden. Zunächst wurden vorrangig Versorgungsengpässe durch die Neuerschließung von Gewinnungsanlagen und Schaffung weiterer Wasserspeicher beseitigt. Zur wesentlichen Steigerung der Wasserqualität trug die spätere Errichtung und Modifizierung von Wasseraufbereitungsanlagen bei. Eine Erhöhung der Versorgungssicherheit konnte durch die Schaffung von Verbundsystemen erreicht werden.

Verdeutlicht werden die investiven Anstrengungen, wenn man sich den Wert des Anlagevermögens heute vor Augen hält. Zum Jahresende 2010 beläuft sich dies in der Summe auf insgesamt 15,65 Millionen €. Die Bilanz schließt auf der Aktiv- und Passivseite insgesamt mit 18,27 Millionen € ab. Im Zeitraum von 1976 bis 2010 entspricht dies einer Bilanzsteigerung von 12,86 Millionen €.

 

Tabellarisch lassen sich die Veränderungen der Wasserversorgungseinrichtungen wie folgt darstellen:

 

  Vergleich Wasserversorgungseinrichtungen 1976/2010
 

Gewinnungsanlagen

Hochbehälter

Tiefbehälter

Leitungsnetz

Km

Haus-

anschlüsse

Quellen

Tiefbrunnen

 

1976

2010

1976

2010

1976

2010

1976

2010

1976

2010

Anzahl

19

2

12

10

24

10

124,4

213

3.608

6262

Speichervolumen m³

       

5.384

7.800

       

 


Im ersten Wirtschaftsjahr des neuen Wasserwerkes lag der Wasserverbrauch der zu versorgenden Gemeinden bei 543.300 m³ Bis zum Jahr 2010 war eine Steigerung der Verbrauchszahlen um 45% auf 788.987 m³ zu verzeichnen. Ursächlich dafür waren strukturelle Entwicklungen, u.a. Einwohnerzuwächse, Gewerbe- und Industrieansiedlungen und -erweiterungen.